Getanzte Geschichten - Kölner StadtAnzeiger | Swinging Sisters

Kölner StadtAnzeiger, 16.01.2007, NINA VOIGT

Getanzte Geschichten

Die Tanzformation feiert den Geburtstag mit einer neuen Show - zu Melodien von Abba werden Latein-Choreografien gezeigt.
Bickendorf -Zuerst sind alle Frauen nur Kreuzchen und Kringel auf dem Papier. Welches Tanzpaar sich wann wohin bewegt, wo eine Linie erkennbar sein soll, wo ein Quadrat - das alles zeichnet Claudia Reger erstmal auf ein Blatt, bevor sie eine Choreografie dann mit ihren Mädels einstudiert. „Das ist ja auch eine logistische Sache“, erklärt Reger, schließlich muss im richtigen Moment Platz sein für den Schritt nach hinten oder den gestreckten Arm nach rechts. Die aktuelle Choreografie der Kölner Frauentanzformation „Swinging Sisters“ ist eine Abfolge aus Lateintänzen zu Musik von Abba. Und es ist die Jubiläumsshow einer deutschlandweit nahezu einzigartigen Tanzgruppe.

„Swinging Sisters“ nannten sich ursprünglich die Frauen, die sich im schwul-lesbischen Zentrum Schulz am Kartäuserwall zum gleichgeschlechtlichen Paartanz trafen. Claudia Reger, selbst mehrfache Weltmeisterin im so genannten Equality-Dancing, gab dort Tanzkurse für Frauen, darunter auch Unterricht im Formationstanz. Hieraus entstand vor fünf Jahren unter ihrer Leitung die Gruppe „Swinging Sisters - Die Formation“, die seitdem regelmäßig einmal pro Woche trainiert, mittlerweile in der von Reger gegründeten Frauentanzschule Köln in Bickendorf, wo die 20 Schwestern jetzt auch ihre Jubiläumsparty feierten.

Ihre Shows - vor der aktuellen Latein-Choreografie waren es Standardtänze im Varietéstil - zeigen die zwischen 25 und 50 Jahre alten Frauen bei Bällen, im schwul-lesbischen Karneval und auf Veranstaltungen in der Frauenszene. „Das liegt nicht an uns, wir bekommen einfach hauptsächlich Anfragen aus dieser Szene“, erklärt Britta Schönefeld von den „Swinging Sisters“. Absoluter Höhepunkt bisher war der Auftritt bei der Eröffnung der schwul-lesbischen Sportmeisterschaften Euro-Games in der Münchner Olympiahalle vor 13 000 Zuschauern. „Das war natürlich toll, vor so einem Riesenpublikum zu tanzen“, sagt Schönefeld.

Zwar wurden im Frauenformationstanz bislang keine Wettbewerbe veranstaltet, weil es außer den Kölner Tänzerinnen nur noch zwei weitere solcher Ensembles gibt, in Hamburg und in Bremen. Doch das hindert die Kölnerinnen nicht, ihr Hobby mit sportlichem Ehrgeiz zu betreiben: „Wir treffen uns nicht zum Tanztee, sondern sind eine sehr leistungsorientierte Gruppe“, betont Schönefeld. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Formation professionalisiert: „Wir zeigen nicht nur Tanzschritte, sondern erzählen Geschichten und legen Wert auf Wirkung und Aussehen.“ Führende und Folgende heißen die Partnerinnen im gleichgeschlechtlichen Tanzen, und diese Rollen können die Frauen während des Tanzes tauschen. In der Formation wechseln die Frauen als Steigerung zudem zwischendurch die Partnerin und stellen Bilder, Reihen und Kreise. „Tanzen wird dadurch zum Gruppensport“, findet Schönefeld. Reger bedauert zwar etwas, dass es bisher keine Wettbewerbe gibt, gleichzeitig lässt ihr das bei der Choreografie aber auch mehr Freiheiten: „Die Hetero-Formationen haben Vorgaben bei Schritten und Tänzen. Bei uns gibt es dagegen keine Regeln, wir dürfen alles ausprobieren.“

Veröffentlicht am: 16.01.2007

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Dienstag, 16 Januar, 2007