Interview mit Claudia und Dunja - Rainbow Dancers | Swinging Sisters

Rainbow Dancers, 01.02.2003, A. Selerowicz

Interview mit Claudia und Dunja

Bei den Gay Games 2002 in Sydney habt ihr drei Goldmedaillen in den wichigsten Tanzdisziplinen gewonnen: Standard, Latein und Kombination. Das war wirklich sehr beeindrückend. Herzlichen Glückwunsch! Euch steht sicher der Titel des erfolgreichsten Tanzpaares in der Welt. Habt ihr mit solch einem Erfolg überhaupt gerechnet?

Die Chance, eine der Goldmedaillen zu bekommen, war für uns nicht abwegig – das wollten wir auch unbedingt erreichen. Mit dreien haben wir natürlich überhaupt nicht gerechnet - von „so“ einem Erfolg lässt sich eigentlich nur träumen.

Wie seid ihr zu dem gemeinsamen Tanzen gekommen? Bereits in Amsterdam wart ihr das beste Frauentanzpaar... War es schwer die ersten zu sein? Woher habt ihr damals eure Ideen z.B. für Role Change genommen?

Dunja: Ich habe jahrelang mit Klaus Padberg Turniere getanzt und er fragte mich vor ca. 6 Jahren, ob ich Lust hätte, ein gleichgeschlechtliches Turnier, an dem er auch teilnehmen würde, zu werten. So bekam ich überhaupt erst Kenntnis von dem gleichgeschlechtlichen Tanzen. Auf dem Turnier sah ich dann Claudia mit ihrer damaligen Tanzpartnerin. Mein Interesse war geweckt und somit…..hatte ich Glück, dass sie auch mit mir tanzen wollte.

Claudia: Ich wurde bereits mit meiner ersten Tanzpartnerin von einem Profi-Tanz- und Trainer-Paar (Peter and Rachell an der Veek) aus Amsterdam angesprochen, ob wir nicht bei ihnen trainieren wollten. Die beiden haben bereits die ersten schwul-lesbischen Turniere in den Niederlanden mitorganisiert bzw. gewertet und haben sich viel mit „Equality-dancing“ beschäftigt. Mit Dunja trainiere ich immer noch regelmäßig bei den beiden und von ihnen haben wir auch die Ideen für unsere ersten ausgefeilteren Führungswechsel. Allerdings mussten wir unseren Stil trotzdem erst finden durch viel Ausprobieren – so ganz ohne Vorbilder ist es ziemlich schwer am Anfang.

Selbst wenn es trivial klingt: ist das Tanzen (Trainieren) mit einer Frau anders als mit einem Mann? Wodurch?

Claudia: Das Tanzen mit einer Frau hat eine andere Dynamik als mit einem Mann. Männer entwickeln meistens mit ihrem Körper eine höhere Geschwindigkeit, während Frauen wesentlich weichere Bewegungen und eine höhere Geschmeidigkeit als Pendant dazu haben. Der Ausdruck im Tanzen ist somit ganz anders.

Dunja: Wenn ich mit einer Frau tanze, muss ich mich der Führenden auch wirklich nur in der Musikalischen Interpretation und Figurenabfolge anpassen, weil die Art des Tanzens, Bewegung des Körpers und der Körperturnus eher ein Spiegel meiner selbst ist.

Innerhalb der letzten 4 Jahre habt ihr bei sehr vielen Turnieren gestartet, wo Frauen- und Männerpaare zusammen tanzten. Ihr habt oft das ganze Feld besiegt und nur manchmal einem Männerpaar unterlegen. Ich kann mir also gut vorstellen, dass es euch keinen Unterschied macht, zusammen mit Männern zu tanzen. Von Frauen hört man ansonsten oft, dass sie separate Wettbewerbe

bevorzugen. Wie ist eure Meinung dazu?

Wir fänden es schade, wenn die Turniere generell getrennt würden, weil das viel von der gemeinschaftlichen Stimmung kaputt machen würde. Allerdings plädieren wir dafür, dass, vor allem in den höheren Klassen, Frauen – und Männerpaare getrennt gewertet werden, weil es irgendwann nicht mehr möglich ist, das Tanzen der Frauen mit dem der Männer zu vergleichen – schon allein aufgrund der körperlichen Voraussetzungen. In Latein ist das besonders extrem: Männer zeigen da ein ganz anderes Tanzen als Frauen. Aber auch in Standard sieht das Tanzen der Männerpaare immer anders aus als das der Frauenpaare. Mit den speziellen Qualitäten eines Männerpaares kann ein Frauenpaar sicher nicht konkurrieren, genauso wenig umgekehrt – aber es lässt sich einiges voneinander lernen und abschauen, deshalb finden wir es auch wichtig, weiterhin gemeinsame Wettbewerbe – aber evtl. getrennte Wertungen zu haben.

Wie wichtig ist es an vielen Tanzturnieren teilzunehmen? Manchmal höre ich, dass Frauen – im Gegenteil zu Männern – es sich nicht leisten können, viel herum zu reisen. Ihr dagegen seid oft bei verschiedenen Tanzbewerben zu bewundern. Wie schafft ihr das?

In unseren ersten Jahren als Turnierpaar haben wir noch an fast allen Turnieren teilgenommen, da gab es aber auch noch nicht so viele wie heute. Inzwischen müssen wir auch auswählen, bei welchen Turnieren wir starten wollen und wo nicht, weil einfach die Zeit für alle fehlt. Es gibt für uns attraktive Turniere, wo vom Rahmen her alles stimmt und die Stimmung meist gut ist, da versuchen wir es uns zeitlich einzurichten, sowie Turniere, die in unserer Umgebung liegen, an denen wir ungern vorbeigucken und deshalb teilnehmen. Wir haben aber mit unseren eigenen Tanzkursen, Fortbildungen mit Privatstunden und den Showauftritten mit den dazugehörenden Choreografien soviel zu tun, dass wir oft Prioritäten setzen und dann auch abwägen müssen…. Ist es wichtiger, sich tänzerisch weiterzuentwickeln oder an Turnieren teilzunehmen?! Wichtig ist dabei, dass der Spaß bleibt!!!

Was können Frauen vom Tanz der Männer lernen, was Männer von Frauen?

Dazu haben wir ja schon einiges gesagt. Männer sind auf jedenfall vom Körperbau her kraftvoller, d.h. auch dynamischer und schneller in ihren Bewegungen, wobei die Frauen mehr Weichheit und Geschmeidigkeit im Körper haben und somit z.B. leichter Erotik auf die Fläche bringen können. Zum wirklich guten Tanzen gehört auf jeden Fall beides.

Ist euch bewusst, dass ihr ein Idol für viele junge Lesben seid? Welche Erfahrung habt ihr sonst in Kontakten zu Tänzerinnen (Frauen, Lesben)?

Es schmeichelt natürlich als Idol für junge, aber auch ältere Lesben gesehen zu werden. In Sydney haben uns einige Paare gesagt, dass wir sie, als sie eine Video von uns sahen, zum Tanzen inspiriert haben. Das ist ein tolles Gefühl.

Ihr wart auch Vorreiter auf einem anderen Gebiet: Turnierkleidung. Eure Tanzkostüme machen immer Furore. Aufgrund der chicen himmelblauen Kleider in Amsterdam wart ihr lange als „blaue Engel“ bekannt. Dann kamen die Kleider in smaragdgrün, dann Fracks und die eleganten schwarzen Hosenkleider mit roten Steinen unlängst in Sydney. Andere Frauenpaare tanzten früher Turniere in der Straßenkleidung, T-Shirts sogar. Euer Outfit war dagegen und ist noch immer sehr musterhaft, ohne dabei traditionell zu wirken. Was bedeutet euch die „richtige“ Tanzkleidung?

Richtige Turnierkleidung ist schwer zu wählen. Wir sind immer auf der Suche nach Kleidung, in der wir uns wohlfühlen und die zu uns passt, d.h. die die versch. Seiten unserer Persönlichkeiten widerspiegelt. Das ist vor allem im Standardbereich nicht ganz einfach , weil wir versuchen weiblich, aber trotzdem auch „tough“ genug auszusehen, um mit den Rollen spielen zu können. Nicht unwichtig ist es auch, dass das Outfit beim Publikum ankommt, schließlich unterstreicht ein gutes Outfit die tänzerische Qualität….schwierig!

Was bedeutet Mode für eine lesbische Frau?

Mode bedeutet für jede lesbische Frau etwas anderes und hat sicherlich nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

Ich möchte nicht indiskret sein, kann mir aber gut vorstellen, dass die LeserInnen gerne mehr über euch erfahren möchten. Erzählt etwas über euer Privatleben (Familie, Beruf, andere Hobbys etc).

Claudia: Ich lebe seit drei Jahren mit meiner jetzigen Freundin zusammen, seit einem halben Jahr in einer gemeinsamen Wohnung. Ich habe hier in Köln die Frauentanzschule Swinging Sisters (für Interessierte: www.swinging-sisters.de) aufgebaut. Die Swinging Sisters gibt es seit 10 Jahren und inzwischen tanzen pro Saison ca. 160 Frauen in meinen Kursen. Seit einem Jahr versuche ich, ausschließlich vom Tanzen bzw. Unterrichten zu leben. Da ich von Sonntag – Freitag jeden Abend einen oder mehrere Tanzkurse gebe und am Wochenende häufig Workshops anbiete, bleibt keine Zeit mehr für weitere Hobbys außer dem Tanzen.

Dunja: Höchst uninteressant! Gelernte Bauzeichnerin, im Büro „Mädchen für alles“, und letztendlich Tanzsporttrainerin und Mutter.

Was sind eure Ziele für die Zukunft? Kann man (frau) noch besser tanzen? Woran werdet ihr demnächst arbeiten?

Besser geht sicherlich immer, obwohl wir Sydney vom Erfolg her natürlich nicht toppen können. Wir versuchen aber, bei der ganzen Leistung, die Leichtigkeit und den Spaß nicht zu verlieren und das ist besonders bei Turnieren nicht ganz einfach. Deshalb investieren wir immer wieder viel Zeit in das Choreografieren von Show-Auftritten - da können wir unser Tanzen so richtig zur Musik leben und ausdrücken und es geht nicht um Wertung, sondern nur um Spaß und Unterhaltung. Inzwischen haben wir über 10 unterschiedliche und selbst choreografierte Shows von jeweils ca. 6 min.; immer mit 5-6 versch. Tänzen (meist Standard und Latein gemischt) und selbst zusammengeschnittener Musik – die können auch gebucht werden!

Habt ihr irgendwelche Ratschläge für andere TänzerInnen?

Tanzen ist Ausdruck der Lebendigkeit des Körpers und das sollte immer im Auge behalten werden, um den Spaß am Tanzen nicht zu verlieren.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
Veröffentlicht am: 01.02.2003

Veröffentlicht am: 
Samstag, 1 Februar, 2003