Wenn ein Tanzpaar verschmilzt - Kölner Stadt-Anzeiger | Swinging Sisters

Kölner Stadt-Anzeiger, 03.03.2008, CLAUDIA HAUSER

Wenn ein Tanzpaar verschmilzt

Bickendorf - Schwingende Röcke in fließenden Stoffen und grellen Farben sind auf diesem Ball nicht zu finden. Und dass, obwohl ausschließlich Frauen über das Parkett schweben - in tief dekolletierten Hosenanzügen, schönen Blusen oder weiten Anzughosen. Und sie tun das mit einer solchen Leichtigkeit und Eleganz, dass das Bild vom klassischen Hetero-Tanzpaar im Laufe der Nacht verblasst. Beinahe so, als sei es ein altmodisches Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.

Beim sechsten großen Kölner Frauenball im Tanz- und Turnier-Club Rot-Gold an der Venloer Straße verschwimmen am Samstagabend deshalb auch die Rollen der „Führenden“ und der „Folgenden“. Die Debütantinnen, die den Ball eröffnen, haben sich zwar auf ihren jeweiligen Part geeinigt, um nicht aus dem Takt zu geraten, die erfahrenen „Swinging-Sisters“ jedoch wechseln beim „Blue Moon“-Ball unglaublich gekonnt von einer in die andere Position. Und fließend ist auch der Partnerinnenwechsel: So dreht sich im einen Moment eine Frau von ihrer kurzhaarigen, brünetten Tanzpartnerin weg, um sich im nächsten Augenblick im Arm einer langhaarigen Blonden wiederzufinden. „Es ist einfach vielseitiger, wenn man beide Rollen beherrscht“, sagt Nadine Dlouhy. „Die Führung verschwimmt und der Wechsel bietet eine unglaubliche Varianz.“ Bei Wettbewerben im „Equality-Dancing“ ist dieser Führungswechsel gewünscht und wird positiv gewertet. Dlouhy und ihre Partnerin Claudia Reger konnten die Jury schon mehrfach überzeugen: Die amtierenden Zehn-Tänze-Europameisterinnen tanzen zwar erst seit knapp zwei Jahren zusammen, verschmelzen auf der Tanzfläche aber förmlich zu einer Person - so fließend, weich und harmonisch bewegen sie sich. Früher tanzte Dlouhy auch mit Männern. „Aber beim Tanzen mit Frauen habe ich noch nie blaue Flecken gekriegt.“ Claudia Reger leitet eine Frauentanzschule und ist die Initiatorin des Balls. Ihre Mutter Erika ist zum Ball extra aus Freiburg angereist. „Ich finde, zwei Frauen, die miteinander tanzen, geben ein sehr harmonisches Bild ab“, sagt sie. „Es ist so wie früher auf den Dorffesten, wo auch immer die Mädchen mit den Mädchen getanzt haben.“

Als Claudia Reger und Nadine Dlouhy in seidenen Fräcken, unter denen glitzernde Büstenhalter hervorblitzen, den Saal betreten, fliegen ihnen spontane Begeisterungsrufe zu. Gefühlvoll knisternd ist ihre Standard-Kür, erotisch-explodierend sind die Latein-Tänze. Emotion, Vertrautheit und Professionalität mischen sich. Mutter Erika Reger würde ihre zierliche Tochter am liebsten die ganze Nacht durch den Saal fliegen und schweben sehen.

Wenn auch die meisten der Paare eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft führen, so gibt es auch einige Frauen im Saal, die da Ausnahmen bilden. Ulla Klein ist mit einem Mann verheiratet. „Aber damals beim Tanzkursus, da hätten wir uns fast getrennt“, sagt sie. „Das gab ständig Stress, weil er ständig alles besser wissen wollte.“ Da sie keine Lust hatte, mit fremden Männern zu tanzen, tanzt sie seit vier Jahren mit einer Frau. „Und es ist einfach herrlich unkompliziert“, sagt sie.

Am morgigen Mittwoch, 5. März, um 20.15 Uhr beginnt der nächste Anfängerkursus in der Frauentanzschule Köln, Venloer Straße 725. Informationen unter Telefon 283 63 78.

Veröffentlicht am: 
Montag, 3 März, 2008